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Thomas Prenn im Interview - Der Schauspieler über ZWEITLAND, historische Nähe und die Arbeit am inneren Konflikt seiner Figur
ZWEITLAND erzählt eine Geschichte vor einem historisch aufgeladenen Hintergrund. Wie hast du dich der Figur des Paul angenähert – und was hat dich an ihm besonders interessiert?
Besonders interessiert hat mich an Paul seine Zerrissenheit, sein Im-Moment-sein und der Wunsch, woanders zu sein, aber es nicht zu können. Mich interessiert immer das Geheimnis einer Figur, wenn ich danach in den Szenen suchen darf. Und die Tatsache, im Dialekt zu drehen, fand ich auch interessant. Ich habe mich durch Medien, vor allem Zeitungen der Zeit versucht, in diese Zeit zurückzuversetzen. Anfangs habe ich auch versucht, durch Sekundärliteratur politisch und geschichtlich mich mehr zu informieren und bilden, habe aber auch schnell gemerkt, dass Menschen damals ja nicht den Blick von heute auf die damalige Zeit hatten und das wieder ein bisschen sein lassen, weil es ja nie aufhört und letztendlich nicht viel mit der Eigenheit der Figur zu tun hat. Meine Hauptvorbereitung war eigentlich körperlicher Natur. Ich habe für fünf Wochen bei einem Bauern mitgearbeitet, um diesen Aspekt und Verpflichtung der Figur zu erfahren, der eher entfernt von mir privat ist.
Der Film spielt in den 1960er-Jahren in Südtirol – also geografisch und historisch recht nah an deinem eigenen Ursprung. Wie hat sich das auf deine Auslegung der Rolle ausgewirkt?
Bestimmt bringe ich durch meine Biografie schon Merkmale mit, die für das Erzählen dieser Geschichte Sinn machen und stimmen. Andererseits besteht bestimmt auch die Gefahr, Sachen zu sehr richtig machen zu wollen, da es sich so nah anfühlt. Nicht zu sehr zu verkopfen war die Herausforderung.
Paul befindet sich wischen familiärer Loyalität und dem Wunsch nach Selbstverwirklichung: Was hat dich an diesem inneren Konflikt deiner Figur gereizt?
Genau dieser Konflikt hat mich gereizt, da er einer ist, der in der Figur stattfindet und dadurch was persönliches hat und ich dadurch gestalterisch und in der Interpretation sehr frei war.
Wie war die Zusammenarbeit mit Regisseur Michael Kofler – und inwiefern unterscheidet sich seine Herangehensweise von bisherigen Regisseur:innen, mit denen du gearbeitet hast?
Michael war von Anfang an ein sehr angenehmer, menschlicher und vorsichtiger Regisseur und Autor, der sich gerne ausgetauscht hat. Michael arbeitet unermüdlich am Drehbuch und hat eine unglaubliche Ausdauer. Es geht bei ihm immer um das Werk, eine schöne Zusammenarbeit.
Der Film behandelt auch politische Radikalisierung innerhalb und außerhalb der Familie. Wie aktuell ist das Thema für dich?
Der Film erzählt von Themen, die sich immer wieder wiederholen in unserer Menschengeschichte. Von Abgrenzung, Verletzung, Minderheiten, Vorwürfen… ich weiß, alles große Worte aber wohl Themen, die Menschen nie loswerden.
In GROSSE FREIHEIT hast du Oskar gespielt – eine Figur in einem sehr düsteren Setting. Was bleibt dir aus dieser Rolle besonders in Erinnerung?
Vieles. Die Arbeit mit den Menschen und der Film dann waren unvergesslich schön, Freundschaften sind daraus entstanden. Geblieben ist mir die Radikalität der Figur, die zwei Seiten, die sie erlebet. Oskar hat Die Liebe gefunden, kann oder vielmehr darf sie nicht leben und entscheidet sich, mit allem aufzuhören.
Der Film setzt sich intensiv mit §175 (kriminalisierte über 123 Jahre Homosexualität und legitimierte staatliche Verfolgung von schwulen und bisexuellen Männern) und queerer Geschichte auseinander. Wie hast du dich auf diese Rolle vorbereitet – und gab es Momente am Set, die dich besonders berührt haben?
Besonders berührt hat mich bestimmt der Drehtag, an dem sich Oskar und Hans im Gefängnishof nachts treffen, und Oskar versucht zu erklären, nach einer zarten Umarmung, dass er das alles nicht mehr kann. Es war Nacht und ruhig und kalt und die Kamera stand still vor uns, nur das nötigste Team dahinter. Es gab nur wenige Lichtwechsel und Umbauten, in denen wir am Set geblieben sind. Franz hat sich dann eine Zigarette gedreht und wir haben uns über die Szene unterhalten oder geschwiegen und nachgedacht. Franz hat mir auch beigebracht, für einander da zu sein, um sich ganz öffnen zu können, um auszuprobieren. Sebastian hat genau zugeschaut und Ideen und Wege gegeben und der Co-Autor Thomas war auch mit dabei. Die Figuren hatten einen intimen Raum, der für sie an diesem Ort, dem Gefängnis, nicht normal ist, und auch ich und wir als Spieler haben einen intimen Raum bekommen, der genau das war und nicht mehr sein wollte.
In HOCHWALD spielst du Mario – eine ebenfalls queere Figur, die zwischen katholischer Dorfgemeinschaft und Großstadt-Clubszene hin- und hergerissen ist. Was reizt dich an der Darstellung dieser Charaktere?
An Mario hat mich gereizt, dass er im Unterschied zu Oskar, trotz der vielen Rückschläge und das scheinbare Übel, das er sein ganzes Leben lang anzieht, immer weitermacht und immer weiter sucht. Er gibt nie auf mit dem Leben und am Ende gewinnt er die heilige Ziege, ist der Ausgewählte. Diese Reise spielen und interpretieren zu dürfen, war eine große und schöne Herausforderung und ich war und bin für das Vertrauen sehr dankbar.
Was bedeuten dir diese Filme heute – auch mit ein paar Jahren Abstand?
Vor allem bin ich glücklich, dass mich diese Filme in der österreichischen Filmwelt, die ich liebe, vorgestellt haben. Ein Teil des Nachwuchses davon zu sein macht mir große Freude.
Wer sich ein wenig einarbeiten will in das schauspielerische Schaffen von Thomas Prenn, dem empfehlen wir unser brandneues Filmpaket bestehend aus HOCHWALD und die GROSSE FREIHEIT! Wie immer natürlich zu einem ermäßigten Preis. Außerdem hat uns Thomas Prenn noch eine exklusive Kuratierung vorbereitet.