Thomas Prenn

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Steckbrief
Geboren: 1994 in Innichen, Südtirol
Tätig als: Schauspieler
„Ein Film ist für mich interessant, wenn er eine Idee oder eine Vision hat, einen Zugriff hat oder sucht. “
Filme im VOD CLUB arrow-down

Wenn du an Filme denkst, die dich als Schauspieler geprägt haben – welche kommen dir als erstes in den Sinn?

Ich glaube in chronologischer Reihenfolge waren es zum Beispiel Filme von Scorsese (THE DEPARTED, AVIATOR), P.T. Anderson (THE MASTER), Sorrentino (LA GRANDE BELLEZZA), Pawlikowski (COLD WAR), Rohrwacher (LAZZARO FELICE). Und immer wieder Hanekes Filme. Vor allem CODE INCONNU, und vor allem Juliette Binoche. Ihre Präzision und doch scheinbar immer Im-Moment-sein, nicht gestalterisch und so frei. So auch in CACHÉ von Michael Haneke.

Gibt es einen Film im KINO VOD CLUB, den du regelmäßig wieder ansiehst?

Ja, WESTERN von Valeska Grisebach. Die Sensucht in den Augen der Menschen darin, die Suche, das Leben, die verschiedenen Seiten und das Verstehen, obwohl es fremd ist.

Welcher österreichische Film (außer deinen eigenen) hat dich in letzter Zeit besonders beeindruckt?

Schönerweise passiert das immer wieder. Zum Beispiel VERA von Tizza Covi und Rainer Frimmel, SONNE von Kurdwin Ayub, JOY von Sudabeh Mortezai. Das nahe Erzählen an den Figuren, das Unmittelbare und das Entstehenlassen von Momenten vereint die Filme vielleicht. Und sie sind trotzdem sehr verschieden.

Gibt es einen Film, bei dem du sofort gesagt hättest: „Da hätte ich gern mitgespielt“?

Lustig, genau diesen Satz habe ich zu Alexandra Makarová gesagt, nachdem ich ihren Film PERLA gesehen habe, der hoffentlich und bestimmt bald hier zu sehen sein wird. Und bei DER BODEN UNTER DEN FÜSSEN. Wegen Marie Kreuzer und diesem so wunderbaren Ensemble.

Ein Film, der dich zum lachen bringt?

DIE SIEBTELBAUERN von S. Ruzowitzky. Ein Film, der mir mehr oder weniger zufällig zugeflogen ist, der fein erzählt ist (durch Lars Rudolph) schöne Bilder hat, lustig gespielt ist – und ich habe gelacht.

Ein Film für einen verkaterten Sonntag?

AMOUR FOU von J. Hausner. Weil man vielleicht auch sterben will, es absurd wird und auch lustig und es sich so anfühlt als könne man dem Schauspiel eben direkt aus dem Bett in seinem Zimmer zuschauen.

Was darf in deiner persönlichen Watchlist nicht fehlen: eher Drama, Doku, Komödie – oder ganz was anderes?

Dramas und Dokus eher. Zum Beispiel BENNY’S VIDEO von M. Haneke, der Versuch des Verstehens unterhält immer wieder. Oder HONEYLAND von L. Stefanov und T. Kotevska hat mich damals im Kino ziemlich verzaubert, erinner ich mich.

Südtirol spielt in deinem neuen Film ZWEITLAND eine große Rolle. Gibt es Filme, die für dich Heimat besonders gut einfangen – visuell oder atmosphärisch?

MEGACITIES von Michael Glawogger. Über Orte und Farben und das Zuhause und Geschichten und den Menschen. So nah erzählt, dass es eigentlich ein Wunder ist. Auch interessant zu sehen, was sich – und was sich nicht – verändert hat in den Jahren, der Film ist ja von 1998.

Deine liebste Dokumentation?

ALPHABET von Erwin Wagenhofer und als Fortsetzung FAVORITEN von Ruth Beckermann. Über das Kindsein und was es damit zu tun hat, heute und hier geboren und aufgewachsen zu sein. Des Weiteren: WORKINGMAN’S DEATH von M. Glawogger und als Fortsetzung SAFARI von U. Seidl. Über andere Welten, die woanders sein könnten, mit denen ich nie in Berührung kommen könnte, und es doch zumindest ungeachtet tue, unausweichlich.

Dein persönlicher Tipp für einen Kinobesuch?

THE TROUBLE WITH BEING BORN von S. Wollner. Wenn das Licht langsam aus geht im Saal und das Erlebnis von Ton und Bild und alles dazwischen losgeht. Dieser Film ist ein schönes Beispiel für diese Kunst.

Wer noch nicht genug hat von Thomas Prenn kann sich hier noch unser Interview mit dem Schauspieler durchlesen.

 

Credits: Marcus Höhn