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Pizzera & Jaus im Interview - Die Musik-Stars sprechen über ihren neuesten Film

Mit ihrem zweiten Kinofilm NEO NUGGETS wagen sich Pizzera & Jaus erneut auf filmisches Terrain. In Neo Nuggets treffen Schatzsuche, Verschwörungstheorien und österreichischer Schmäh aufeinander – eine rasante Mischung aus Heist-Movie, Satire und Komödie. Im Gespräch erzählen Paul Pizzera und Otto Jaus, warum sie gerade unperfekte Helden lieben, was den Mythos Toplitzsee so faszinierend macht und weshalb nasse Drehtage bei minus sieben Grad nicht unbedingt zu den glamourösen Seiten des Filmgeschäfts zählen.

 

Sie sind Musiker, Kabarettisten und mittlerweile auch erfolgreiche Filmemacher: Pizzera & Jaus setzen ihre filmische Reise zusammen mit Regisseur Andreas Schmidt in NEO NUGGETS fort. Die schräge Schatzsucher-Komödie verbindet Spannung, Humor und österreichische Eigenheiten zu einem unterhaltsamen Abenteuer voller überraschender Wendungen. Der Film kann ab sofort bei uns gestreamt werden.

 

NEO NUGGETS bewegt sich irgendwo zwischen Heist-Movie, Satire und Komödie. Was hat euch an dieser Mischung gereizt?

Uns hat genau diese Mischung gereizt, weil sie so schön unberechenbar ist. Wir mögen es, wenn ein Film Tempo hat, wenn er Spannung mitnimmt, aber sich gleichzeitig nicht zu ernst nimmt. Dieses Herumturnen zwischen Schatzsuche, Verschwörung und Schmäh hat uns total getaugt, weil man dadurch viel freier erzählen kann. Und am Ende darf’s ruhig eskapistisch sein, solange Herz und Haltung nicht ganz verloren gehen.

Eure Figuren stolpern eher zufällig in diese ganze „Nugget“-Geschichte hinein. Was hat euch an diesen Charakteren besonders gefallen?

Dass sie eben nicht geschniegelt in die Situation marschieren wie die großen Helden, sondern eher so wirken, als hätten sie sich beim falschen Ausgang angestellt. Genau das mögen wir. Flo und Eddi sind keine Supermänner, sondern Figuren mit Fehlern, Ängsten und ziemlich speziellen Lösungsansätzen. Gerade dadurch werden sie nahbar und man kann sie durch so eine absurde Geschichte schicken, ohne dass es künstlich wirkt.

Der Film stellt sich in eine lange Tradition von Genre-Filmen. Hattet ihr konkrete Vorbilder – Filme, die ihr euch bei der Entstehung von Neo Nuggets angesehen habt?

Wir haben uns weniger an einem einzelnen Film orientiert als an einem Gefühl. Uns hat dieser Reiz getaugt, mit Genre zu spielen: ein bissl Spionage, ein bissl Heist, ein bissl Verschwörung, aber halt immer mit unserem Zugang. Also nicht: Wir tun jetzt so, als wären wir der internationale Hochglanzthriller. Sondern eher: Was passiert, wenn man diese Welt mit zwei Typen bevölkert, die nicht ganz gestriegelt durch die Tür kommen.

Hat euch schon in eurer Jugend die Legende um den Schatz im Toplitzsee fasziniert – oder woher kam der Bezug zu diesem Thema?

Der Toplitzsee ist ja in Österreich fast schon ein eigener Mythos. Wenn du das hörst, hast du sofort Bilder im Kopf: Geheimnisse, Geschichten, halb wahnsinnige Theorien und irgendwas Düsteres, das noch mit dranhängt. Das fanden wir filmisch einfach wahnsinnig reizvoll. Das ist so ein Stoff, den man nicht groß aufblasen muss, weil er von Haus aus schon eine gewisse Verrücktheit mitbringt.

Euer Humor lebt stark vom Timing und eurer gemeinsamen Dynamik. Wie verändert sich das, wenn man vom Bühnenprogramm auf einen Kinofilm wechselt?

Auf der Bühne merkst du sofort, ob etwas funktioniert, im Film musst du ein bissl anders vertrauen. Da entsteht Timing nicht nur zwischen uns, sondern auch über Regie, Schnitt und Rhythmus in der Szene. Aber die Grundchemie bleibt natürlich dieselbe. Wir kennen uns inzwischen so gut, dass oft schon ein Blick reicht, und das hilft im Film fast noch mehr, weil man dort auch mit kleinen Sachen sehr viel erzählen kann.

Ihr schreibt und entwickelt viel selbst. Wie sah der kreative Prozess bei Neo Nuggets konkret aus?

Die Drehbucharbeit lag bei Andreas Schmied und Wolfgang Brandstetter, aber uns war wichtig, dass Flo und Eddi sich nach uns anfühlen, ohne einfach nur wir selbst zu sein. Wir haben also sehr stark daran gearbeitet, diesen Figuren unsere Dynamik, unsere Sprache und unsere Art von Reibung einzuhauchen. Und am Set war es dann schön, dass auch Platz für spontane Dinge war. Manche Momente entstehen halt erst, wenn man in der Szene drinsteht und merkt: So lebt das jetzt.

Regie hat bereits zum zweiten Mal Andreas Schmied geführt. Wie kann man sich eure Zusammenarbeit vorstellen?

Sehr vertrauensvoll, aber schon auch ehrlich. Andreas weiß mittlerweile ziemlich genau, was wir mitbringen und wie wir ticken, und wir wissen, dass er das große Ganze im Blick hat. Das ist angenehm, weil man sich in so einem Setting auch einmal trauen kann, etwas auszuprobieren. Und wenn etwas nicht funktioniert, sagt er es auch. Genau diese Mischung aus Freiheit und Klarheit ist für uns extrem wertvoll.

Gab es bei den Dreharbeiten besonders absurde oder skurrile Momente, die ihr den Leser:innen nicht vorenthalten möchtet?

Sagen wir so: Wenn du bei Außendrehs bei minus 7 Grad nass wirst, beginnst du dein Leben schon kurz neu zu bewerten. Das war definitiv ein Moment, wo der Beruf auf einmal weniger glamourös war, als man ihn auf Premierenfotos verkauft. Und grundsätzlich ist bei einem Film mit Schatzsuche, Verschwörungen, Waffen, Wasser und uns zwei die Wahrscheinlichkeit eher gering, dass alles geschniegelt und normal abläuft. Es war jedenfalls genug dabei, worüber man im Nachhinein deutlich lieber lacht als im Moment selbst.

Hat sich eure Zusammenarbeit durch den Film noch einmal verändert oder weiterentwickelt?

Ja, sicher. Bühne und Film verlangen sehr unterschiedliche Dinge, und wenn man beides gemeinsam macht, lernt man sich noch einmal anders kennen. Beim Film brauchst du oft mehr Geduld, mehr Präzision, mehr Vertrauen in den Prozess. Ich glaube, wir sind dadurch noch eingespielter geworden, weil man irgendwann sehr genau weiß, wann man den anderen laufen lässt und wann man ihn bewusst reizt, damit etwas entsteht.

Was wünscht ihr euch, dass das Publikum nach dem Film mitnimmt?

Im besten Fall geht man gut unterhalten raus und hat für zwei Stunden einmal ein bissl Abstand vom ganzen täglichen Wahnsinn gehabt. Wenn die Leute lachen, mitfiebern und sich denken: Das war jetzt herrlich deppert, aber mit Liebe gemacht, dann freut uns das schon sehr. Und wenn vielleicht sogar ein paar Figuren oder Momente hängenbleiben, umso schöner.

NEO NUGGETS ist bereits euer zweiter Kinofilm. Bei den Amadeus Awards habt ihr euch als Musiker die Auszeichnung für den besten Song geholt. Geht die filmische Reise trotzdem weiter – und wenn ja, wohin?

Die Lust ist auf jeden Fall da. Wir haben gemerkt, dass uns das filmische Erzählen taugt, gerade weil es etwas anderes aus uns rausholt als die Bühne oder die Musik. Wohin das geht, wird man sehen, aber spannend wäre es schon, sich da weiterzubewegen und vielleicht auch einmal Dinge zu machen, die man uns nicht sofort zutraut. Solange es uns reizt und wir das Gefühl haben, es steckt mehr drin als ein schneller Gag, ist da sicher noch nicht Schluss.

Wer mehr über Regisseur Andreas Schmied erfahren will kann übrigens HIER unser Interview mit dem Filmemacher nachlesen.

 

Credits: Ingo Pertramer